Sind Blogger Relations bereits wieder out?

von | 28. Feb 2017 | PR

Lesedauer: 4 Minuten

Blogger-Relations
Kooperationen mit Bloggern waren viele Jahre ein wichtiges Element in der Öffentlichkeitsarbeit vieler Unternehmen. Mittlerweile gibt es hunderte Blogs zu den verschiedensten Themen. Von Fashion über Food bis hin zu Technik ist alles dabei, aber auch Nischenthemen besetzt die Bloggerszene. Für Unternehmen sind Blogger attraktive Multiplikatoren, da sie eine hohe Glaubwürdigkeit bei ihrer Leserschaft genießen.
Aber reicht dieses Kriterium heute noch, um Blogger Relations weiterhin als Hebel in der Unternehmenskommunikation einzusetzen? Dieser Frage sind wir auf den Grund gegangen. Wir haben die Top 10 der Suchergebnisse zu Blogs aus den Bereichen Fashion, Food und Technik analysiert und die Erkenntnisse nach unterschiedlichen Kriterien bewertet.

Kann man mit Blogs auch Reichweite erzielen?

Um mehr über Reichweite und Viralität von Blogs zu erfahren, haben wir über einen Zeitraum von acht Wochen verschiedene Fashion-, Food- und Technik-Blogs mit dem Online-Monitoring-Tool ubermetrics beobachtet und im Anschluss analysiert.

Viele stützen sich bei der Bewertung über den Erfolg oder Misserfolg eines Blogs darauf, wie oft einzelne Blogbeiträge geteilt wurden – also auf die Viralität und Anzahl an Backlinks. Die Analysen in ubermetrics haben jedoch gezeigt, dass diese Faktoren im Vergleich zu traditionellen Medien um ein Vielfaches geringer ausfallen. Beim Thema Backlinks ist die Erkenntnis wenig überraschend. Auffällig war jedoch, dass auch die Interaktion mit Blogbeiträgen relativ gering ausfällt. Heißt das also, dass Kooperationen mit Bloggern Ressourcenverschwendung sind und sich nicht lohnen?

Welche Kriterien bei Kooperation mit Bloggern wirklich zählen

Nein, bei der Zusammenarbeit mit Bloggern kommt es auf viel mehr als nur Reichweite und Viralität an. Es ist das Zusammenspiel mehrerer Faktoren, das Blogger Relations weiterhin attraktiv macht. Welche Faktoren bei der Bewertung eines Blogs entscheidend sind:
  • Glaubwürdigkeit: Bevor ihr euch auf eine Kooperation einlasst, solltet ihr euch zunächst über den Blogger informieren. Wichtig ist, dass er gut vernetzt ist und in der Bloggersphäre eine sehr hohe Glaubwürdigkeit und Akzeptanz genießt. Diese Faktoren werden dabei helfen, Ihre Produkte oder Themen der Zielgruppe wirkungsvoll zu vermitteln.

  • Interaktionen: Ein wichtiger Faktor zum Bewerten des Erfolgs oder Misserfolgs eines Blogbeitrags, sind die Interaktionen. Dazu zählen die Kommentare auf dem Blog selbst sowie die Anzahl an Gefällt-mir-Angaben und Kommentaren in den sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Instagram — oder LinkedIn bei B2B-Blogs.

  • Anzahl der Abonnenten: Eine weitere wichtige Kennzahl zum Bewerten eines Blogs ist die Abonnenten-Anzahl – also die Menge an Personen, die den Newsletter oder RSS-Feed eines Blogs abonniert haben. Auch die Anzahl an Facebook-Gefällt-mir-Angaben, Twitter Followern und die Instagram-Abonnenten spielen eine wichtige Rolle.

  • Reichweite: Die Reichweite misst die Anzahl an Personen, die einen Blogbeitrag sehen. Da ein Großteil der Blogger Beiträge auch in den sozialen Netzwerken verbreiten, erhöht sich ihre Reichweite: Hinzu kommen Abonnenten von RSS oder dem Newsletter.
Wenn ihr Blogger bezüglich einer Kooperation anfragt, solltet ihr euch zunächst über diese Faktoren informieren, beziehungsweise den Blogger bitten, entsprechende Informationen zur Verfügung zu stellen. Dann könnt ihr sehr gut beurteilen, ob sich eine Kooperation lohnt.

Social Media und das Thema Reichweite

Bei vielen Unternehmen besteht nach wie vor die Annahme, dass sich Social Media besonders für das Generieren von Reichweite eignet. Die Fakten belegen jedoch, dass das ein Irrglaube ist.

Bei unseren Recherchen haben wir ein gutes Beispiel gefunden:

Die Bloggerin Luisa Lion hat mehr als 100.000 Fans auf Facebook. Mit dem Beitrag „TREND ALERT: BOMBER JACKEN“ haben 300 Fans interagiert – also „Gefällt mir“ gedrückt oder ein Kommentar hinterlassen. Sicher: Wenn ein Facebook-Nutzer mit Beiträgen interagiert, erscheint dies im Newsfeed seiner Freunde – zumindest bei denen, die seine Aktivitäten abonniert haben. Dadurch erhöht sich die Reichweite des Beitrags noch einmal. Allerdings bedeutet das nicht, dass der Beitrag dann auch von den Freunden gelesen wird.

Besonders auffällig ist, dass von 100.000 Fans lediglich 300 Fans mit dem Beitrag interagiert haben. Hat den übrigen Fans der Beitrag nicht gefallen? Eher nicht – der Grund liegt im technischen Bereich: Facebook hat in den letzten Jahren ständig den Algorithmus geändert. Die organische Reichweite von Beiträgen auf Facebook-Seiten sinkt immer weiter und liegt aktuell nur noch bei knapp über sechs Prozent. Sprich, von 100.000 Followern bekommen mittlerweile nur noch lediglich 6.000 einen neuen Beitrag in ihrem Newsstream angezeigt. Bei Seiten mit mehr als 500.000 Followern liegt die Reichweite sogar nur bei etwas mehr als zwei Prozent.

Bei anderen Netzwerken wie Instagram und Twitter sorgt die Natur der Plattformen dafür, dass die Halbwertszeit eines Postings sehr gering ist. Wiselytics fand im Jahr 2014 heraus, dass die Halbwertszeit von Tweets bei nur 24 Minuten liegt. Das ist die Zeit, in der mindestens die Hälfte aller Interaktionen mit einem Tweet stattfindet. Höchstwahrscheinlich hat sich die Halbwertszeit seitdem noch einmal deutlich verringert, denn die Anzahl der Tweets pro Sekunde ist bis heute rasant angestiegen.

Fazit

Klassische Blogger Relations lohnen sich nach wie vor. Jedoch sollten Unternehmen auf solche Kooperation nicht wegen der Reichweite – insbesondere über Social Media – setzen. Bei der Zusammenarbeit mit Bloggern profitiert ihr vor allem von deren Glaubwürdigkeit und Akzeptanz bei der Leserschaft. Zudem erreicht ihr Menschen, die wirklich am Thema interessiert sind. Selbst wenn der Blogbeitrag zu Ihren Themen oder Produkten nur von wenigen hundert Nutzern gelesen wird, könnt ihr bereits davon profitieren. Bei B2C-Themen lohnt sich übrigens ein Blick auf andere Plattformen, wie etwa Instagram und YouTube. Hier findet ihr viele Influencer mit hoher Reichweite, die euch dabei helfen, eure Produkte der gewünschten Zielgruppe näherzubringen – auch ohne Blog.

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