Aufgesang im TV: PR in der Wikipedia ist Thema in MONITOR

von | 29. Jan 2014 | Aufgesang intern

Lesedauer: 3 Minuten

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Besuch bei Aufgesang – zu Gast ein EB-Team vom WDR. Sie drehten bei uns für einen Beitrag zum Thema PR in der Wikipedia und interviewten hierzu unsere Kollegin Anja Floetenmeyer sowie unseren Partner Markus Franz von Sucomo

Nicht gesendet wurde unser Interview im ARD-Magazin MONITOR am 30.01.2014, um 22.00 Uhr.
Unser [Update] mit Kommentar zum TV-Beitrag lesen Sie weiter unten.

Anlass für den Beitrag „Inside Wikipedia: Angriff der PR-Industrie“ in MONITOR ist eine Studie zu verdeckter PR in Wikipedia der Otto Brenner Stiftung. Wir hatten in Zusammenarbeit mit Sucomo kürzlich einen 22-seitigen Leitfaden veröffentlicht, der Unternehmen in die Wikipedia einführt.

Redakteur Achim Pollmeier diskutierte mit den Kollegen die typischen Fragen:

  • Welche Bedeutung hat Wikipedia für die Unternehmenskommunikation?
  • Wie können Unternehmen ihre Bearbeitungen transparent machen?
  • Wo verläuft die Grenze zwischen Manipulation und sinnvoller Mitarbeit?

Wir sagen, wer sein Unternehmen in Wikipedia darstellen möchte, muss einige Regeln beachten:

  1. Unternehmen sollten die Regeln und Gepflogenheiten der Wikipedia kennen und nicht voreilig auf den Bearbeiten-Knopf drücken. Wikipedia ist komplex – und ein Unterschied zu der Arbeit in der Unternehmenskommunikation.
  2. Unternehmensartikel in Wikipedia sind nicht von Unternehmensinteressen bestimmt und müssen dem Grundsatz der Wikipedia folgen, nämlich neutral, ausgewogen und vollständig sein.
  3. Unternehmen müssen gut recherchieren, was ihre eigene Geschichte anbelangt – und zwar auch Kritisches. Wer kontroverse Positionen auslassen will, versucht die Wahrheit zu verändern und bringt letztlich nicht nur seinen Ruf in Gefahr, sondern schadet auch der Grundidee der Wikipedia.
  4. Transparenz ist für Firmen Pflicht: Unternehmen sollten ein verifiziertes Benutzerkonto anlegen. So kann jeder sehen, woher die Änderungen an einem Artikel stammen.

Nur im Einzelfall und unter ganz bestimmten Umständen wäre es überhaupt vertretbar, anonym oder pseudonym zu editieren, so Markus Franz: Etwa um die Persönlichkeitsrechte lebender Personen zu schützen oder bei trivialen Aktualisierungen von Geschäftszahlen.

Die Dreharbeiten dauerten einige Stunden – heraus kommen wenige Minuten. Wir sind gespannt.

[Update]

„Inside Wikipedia: Angriff der PR-Industrie“ – Unser Kommentar zu MONITOR

Unter diesem Titel hat das ARD-Magazin MONITOR gestern einen Beitrag ausgestrahlt, der sich damit beschäftigt, wie die PR-Branche Einfluss auf das Lexikon zu nehmen versucht. Wie zuvor berichtet, hat der WDR zu diesem Zweck auch bei Aufgesang gedreht. Leider wurde uns kurz vor der Ausstrahlung mitgeteilt, dass wir geschnitten wurden und überhaupt nicht mehr im Beitrag enthalten sind.

Wikipedia manipulieren – ohne uns

Über die Gründe können wir nur spekulieren. Klar ist aber: Wer Gesprächspartner sucht, die Wikipedia im Sinne ihrer Auftraggeber manipulieren, ist bei uns definitiv an der falschen Adresse. Das haben wir immer wieder klargestellt – nicht zuletzt in unserem Leitfaden für Public Relations in Wikipedia.

Die PR-ler, die von MONITOR befragt wurden, waren offenbar zu seriös und damit für den Beitrag nicht böse genug. Wie wir Unternehmenskommunikation betreiben ist eben auch nicht täglich spektakulär und schon gar nicht verdeckt. Wie MONITOR zeigt, gibt es Anbieter, die sich deutlich plakativer äußern und offensichtlich eher kurzfristige Änderungen als langfristiges Engagement im Sinn haben. Am Ende ging es gar nicht um PR. Schade. Dass der im Beitrag gezeigte „PR-Berater“ in Wahrheit ein in der Szene bekannter SEO ist, bringt zudem die PR-Branche unnötig in Verruf.

Doch Wikipedia ist gerade in solchen Fällen eben nicht wehrlos, wie oft kolportiert: Der im Beitrag als PR-Inszenierung entlarvte Wikipedia-Artikel über das “Schwedenhaus” wurde um 22:16 Uhr gelöscht, also noch während der TV-Sendung (inzwischen ist er wieder da und wird massiv überarbeitet). Auch ist das Konto, mit dem der Artikel geschrieben wurde, mittlerweile gesperrt.

In Wikipedia stößt der Beitrag von MONITOR auf ein gemischtes Echo. Einerseits arbeitet er sich an den üblichen Klischees ab und vergisst, wie viele Unternehmen über ihr verifiziertes Benutzerkonto mittlerweile einen guten Dialog mit der Community pflegen. Andererseits ist es den Redakteuren gelungen, das Problem verdeckter Einflussnahme kurz und prägnant zu erklären – und das ohne sich in technischen Details zu verlieren. In jedem Fall leistet das Magazin aber einen wertvollen Beitrag zur Debatte. Es wird dem Zuschauer deutlich, wie wichtig Wikipedia für Unternehmen heute ist. Aber auch, dass er nicht alles glauben darf, was in Wikipedia steht. Auch wenn die Enzyklopädie mittlerweile ein hohes Niveau erreicht hat, ist sie eben nicht perfekt.

Die Reaktionen der Wikipedia auf MONITOR können Sie hier verfolgen:

Diskussion auf der Grillenwaage

Diskussion im Wikipedia-Kurier

Diskussion im WikiProjekt zum Umgang mit bezahltem Schreiben

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