Texte redigieren – so geht‘s

von | 12. Nov 2020 | PR

Lesedauer: 4 Minuten

Lesetipps
Als Redaktor oder Lektor kommt Dir eine wichtige Aufgabe zu – denn es liegt an Dir, die Qualität eines vorhandenen Textes weiter zu steigern und die Lesbarkeit zu optimieren. Die folgenden 9 Tipps zeigen Dir, wie Du dabei am besten vorgehst.

1. Lange Sätze aufteilen

Sie springen ins Auge, weil der Lesefluss automatisch ins Stocken gerät: Viel zu lange Sätze mit 40 oder mehr Wörtern, sind in vielen Textentwürfen zu finden. Überlege Dir, wie sich solche Satzungetüme in kürzere Sätze aufteilen lassen. Damit die Lesbarkeit nicht leidet, gilt bei geschriebenem Text eine Höchstgrenze von 20 Wörtern pro Satz.

2. Wortmonster zerlegen

Neben Satzungetümen sind Wortmonster häufig anzutreffen. Es handelt sich um Wörter mit fünf oder mehr Silben oder zusammengesetzte Wörter. Zerlege solche Monster in seine Bestandteile! Das Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz galt lange Zeit – bis zur Ablösung des Gesetzes – als längstes Wort deutscher Sprache. Mit einem Rindfleischetikettierungs-Überwachungsaufgaben-Übertragungsgesetz hätten es die Leser schon etwas leichter gehabt. Noch besser wäre diese Alternative gewesen: Gesetz zur Übertragung von Überwachungsaufgaben bei der Rindfleisch-Etikettierung.

3. Fremdwörter und Fachbegriffe ersetzen

Verständlichkeit ist das A und O für einen gut lesbaren Text. Fremdwörter und Fachbegriffe sowie fachspezifische Abkürzungen stehen dem Anliegen im Weg. Beispiel: Besser als ein „Paradigmenwechsel“ ist „ein Wechsel in der Grundauffassung“. Lassen sich Fachbegriffe nicht umgehen, dann achte beim Redigieren darauf, ihre Bedeutung zu erklären.

4. Anglizismen-Anzahl reduzieren

Wie Fremdwörter und Fachbegriffe erweisen sich auch Anglizismen häufig als Stolpersteine. In den meisten Fällen gibt es deutschsprachige Begriffe, die für jeden verständlich sind (beispielsweise „Besprechung“ anstatt „Meeting“). Versuche daher unbedingt, deren Anzahl zu reduzieren und behalte dabei auch die Zielgruppe im Blick.

5. Hilfsverben streichen

Müssen, können, möchten, dürfen, wollen, sollen: Der Nachteil bei Hilfsverben besteht darin, dass sie das Verb – den aktiven, lebendigen Teil des Satzes – ans Satzende verbannen. Das macht einen Satz fade. „Wir sollten eine Entscheidung treffen“ lässt sich aktiver und lebendiger so formulieren: „Treffen wir eine Entscheidung!“ Du hast es in der Hand: Streiche Hilfsverben, wo immer Du auf sie triffst – und bau den Satz neu auf.

6. Hauptwörter-Sätze neu formulieren

Häufungen von Wörtern, die auf -ung, -heit, oder -keit enden, kennzeichnen den Nominalstil, der abstrakt und schwer verständlich ist. Verwandle solche Konstrukte in lesbare Sätze! Aus „Am kommenden Montag findet die Neueröffnung einer Filiale in Regensburg statt“ wird: „Am kommenden Montag eröffnen wir in Regensburg eine neue Filiale.“

7. Formulierungen aktivieren

Passiv-Konstruktionen bewirken, dass ein Text hölzern und unpersönlich wirkt – Nähe lässt sich so kaum herstellen. Erst durch aktive Formulierungen entstehen Bewegung, Dynamik und „Action“, die den Leser ins Geschehen ziehen. Wandle Passiv-Konstruktionen daher konsequent in aktive Formulierungen um. In digitalen Dokumenten lassen sie sich über eine Textsuche nach „wird“ oder „werden“ schnell identifizieren.

8. Nach Alternativen für Worthülsen suchen

Praktisch, innovativ und nachhaltig – aufgrund ihrer häufigen Verwendung sind viele Wörter inzwischen zu abgedroschenen Floskeln verkommen. Überlege Dir, ob es anstatt solcher Worthülsen nicht vielleicht konkretere Formulierungen gibt, die ehrlicher kommunizieren und die Sachverhalte besser treffen.

9. Mit positiven Bildern arbeiten

„Es besteht diesmal keine Gefahr für Hamsterkäufe – das Risiko, kein Toilettenpapier abzubekommen, ist gering. Panik ist also völlig unangebracht!“ Diese Ausführung, die Gefahr und Risiko benennt, wird dazu führen, dass alle losrennen, um sich rechtzeitig einzudecken. Formuliere Sätze, die negative Bilder entstehen lassen, um in positive Aussagen: „Toilettenpapier ist in großer Menge vorhanden, die Versorgungslage ist absolut sicher – niemand wird leer ausgehen!“

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