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Wikipedia-Praxistipps – Lektion 3: Belegen und Zitieren

14.Juli 2021 - Featured, Public Relations -

Aufgesang erklärt in seinem Wikipedia-Leitfaden die Vorgehensweise, um Artikel zur Firma, den Marken oder der Unternehmerperson in die Wikipedia zu bringen – oder um bestehende Artikel zu überarbeiten. Der Schritt-für-Schritt-Guide ist ein „Grundlagenwerk“, das Mitwirkende in Wikipedia vor „unschönen Erfahrungen“ wie Rückgängigmachungen, Löschungen oder Sperrungen bewahrt. Wer sich in das Regelwerk und die vielen ungeschriebenen Gesetze einarbeitet, hat gute Chancen, seine Ziele – im Rahmen des Zulässigen und Machbaren – zu erreichen.

Der Leitfaden bietet jedoch nicht den Raum, um auf Detailfragen und besondere Herausforderungen einzugehen. Daher haben wir die Artikelserie „Wikipedia-Praxistipps“ ins Leben gerufen – sie zeigt Lösungswege bei häufig anzutreffenden Problemfällen auf und geht darüber hinaus auf Details ein, derentwegen Aktualisierungs- und Änderungsversuche nicht selten scheitern. Diesmal stehen die für Wikipedia essenziellen Belege im Blickpunkt – und wie sich gravierende Fehler vermeiden lassen. Zudem zeigen wir, wie ein Unternehmen den eigenen Artikel richtig zitiert.

Die „Beleg-Falle“ wird vielen zum Verhängnis

Viele Unternehmen sind sich im Klaren, dass die Wikipedia keine Marketing-Plattform ist – sondern dass hier die sachlich-neutrale Information im Mittelpunkt steht. Dies Verständnis schützt jedoch nicht vor einem anderen schwerwiegenden Fehler: ungeeigneten Belegen, die Änderungsversuche an Artikeln regelmäßig scheitern lassen. Unternehmen sind verständlicherweise der Auffassung, dass sie über die Fakten selbst am besten Bescheid wüssten – im Artikel verweisen sie auf die eigene Website. Die dort zusammengetragenen Informationen sollen sich auch in Wikipedia wiederfinden. Diese Sichtweise verkennt jedoch die Bedeutung der zuverlässigen Quelle.

Bei Wikipedia ist es so, dass die Relevanz einer Information eng an die Quelle geknüpft ist. In erster Linie zählen unabhängige und relevante Medienquellen – die eigene Website ist dies nicht. Dazu muss man verstehen, dass die Wikipedia ausschließlich die Außensicht eines Sachverhalts abbildet – konkret ist es die Medienrezeption, die das betreffende Unternehmen erfahren hat.

Quellen müssen glaubwürdig und überprüfbar sein

Das Quellenverständnis von Wikipedia hängt auch mit der Glaubwürdigkeit zusammen. Die Inhalte müssen für jedermann ohne besonderen Aufwand überprüfbar sein. Um der Belegpflicht zu genügen, sind daher zuverlässige Quellen gefragt. Als solche gelten wissenschaftliche Publikationen oder – sofern es diese nicht gibt, wie häufig bei Unternehmensartikeln – nicht-wissenschaftliche Quellen, wenn diese als solide recherchiert gelten können. Dies sind etwa Artikel in Fachzeitschriften, den Wirtschaftsmagazinen oder überregionalen großen Tages- und Wochenzeitungen.

Ungeeignete Belege wiederum sind private Gespräche, Briefwechsel oder E-Mails, da die Inhalte nicht allgemein zugänglich und damit auch nicht überprüfbar sind. Dasselbe gilt für Quellen, deren Neutralität zu bezweifeln ist, wie etwa allen unternehmenseigenen Quellen – sie dürfen nur in Ausnahmefällen herangezogen werden. Allenfalls der im Unternehmensregister veröffentlichte Jahresabschluss darf als Beleg für Umsatz- und Mitarbeiterzahl dienen – mehr nicht. Die Richtlinie für den Umgang mit parteiischen Informationsquellen führt dazu aus: „Quellen, deren Neutralität berechtigt angezweifelt werden kann (z. B. Aktivisten, Unternehmen, Interessengruppen, Konfliktparteien), sind in Wikipedia nur in den seltensten Fällen als Quelle geeignet. Wikipedia-Artikel dürfen ausdrücklich nicht primär mit parteiischen Quellen belegt sein.“

Für die Praxis bedeutet dies: Es ist nicht möglich, den Wikipedia-Artikel zur „verlängerten Website“ zu machen, der die eigene Perspektive darstellt. Denn dies würde den Grundsatz des neutralen Standpunkts verletzen. Artikel, welche die eigene Unternehmenswebsite als zentrale Quelle anführen, werden in der Regel umgehend gelöscht. Falls du für die Aktualisierung des Unternehmensartikels die Verantwortung trägst, tust du also gut daran, Informationen aus vorwiegend unabhängigen Quellen zusammenzutragen und jede Artikeländerung damit zu belegen.

Eigenen Wikipedia-Artikel zitieren – so geht’s

Viele Unternehmen sind stolz darauf, einen Wikipedia-Artikel zu haben – schließlich hat die Online-Enzyklopädie eine große Außenwirkung. Nicht wenige Unternehmen arbeiten selbst an ihrem Artikel mit, um diesen aktuell zu halten. Wer den eigenen Eintrag zitieren und andere über Inhalte informieren will, muss aber aufpassen, dass ihm dabei nicht ein naheliegender Fehler unterläuft. In den folgenden Ausführungen verraten wir, was zu beachten ist. Die Krux bei Wikipedia-Zitaten besteht darin, dass sich die Artikel ständig ändern – wie andere Webseiten auch. So kann, was heute korrekt wiedergegeben ist, morgen schon nicht mehr aktuell beziehungsweise als Inhalt dort nicht mehr anzutreffen sein. Wer unzutreffend zitiert, weil er über die Artikel- oder die Google-Suche auf den Inhalt zugreift, gefährdet seine Reputation.

Dabei steht mit dem permanenten Link – auch kurz Permalink genannt – eine Option bereit, das Problem ganz einfach zu umgehen. Die Online-Enzyklopädie stellt ihren Nutzern links im Menü gleich mehrere Werkzeuge zur Verfügung, um die aktuell gültige Version eines Artikels festzuhalten. Änderungen, die später vorgenommen wurden, bleiben außen vor. Zusammen mit dem Zeitpunkt des letzten Abrufs sind Unternehmen dann auf der sicheren Seite. Mitunter ist Wikipedia auch eine gute Quelle für Fotos. Wer Bilder in eigenen Publikationen verwenden will, nutzt am besten den Lizenzhinweisgenerator von Wikimedia Deutschland. Das Tool schützt vor Abmahnungen, weil die Fotografin oder der Fotograf nicht korrekt genannt wurde.

In Lektion 4 der Artikelserie „Wikipedia-Praxistipps“, am Anfang des nächsten Jahres, erfährst du, warum du mit deinem Benutzerkonto bei Wikipedia sorgsam umgehen solltest – und wie du in der Community Wertschätzung und Anerkennung findest.

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Ein Beitrag von Peter Montag

Peter Montag ist Senior PR-Berater und seit 2004 bei Aufgesang. Er hat Politikwissenschaft und Kunstgeschichte studiert. Im Anschluss nahm er an einer PR-Aufbauqualifizierung teil und war freiberuflich sowie als Angestellter für verschiedene Verbände auf Landes- und Bundesebene als PR-Spezialist tätig. Seine fachlichen Schwerpunkte liegen in der Texterstellung und PR-Konzeption. Außerdem betreut er zwei große Projekte bei uns in der Agentur: Presseverteiler.de und Kommunikation in der Wikipedia. Peter reist sehr gerne, insbesondere nach Osteuropa. In seiner Freizeit besucht er zudem gerne Kabarett-Veranstaltungen.



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