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Wikipedia-Praxistipps – Lektion 2: Unternehmensartikel

14.Januar 2021 - Featured, Public Relations -

Aufgesangs Wikipedia-Leitfaden bietet eine Einführung in die bekannte Online-Enzyklopädie und die Vorgehensweisen, um Artikel zur Firma, den Marken oder der Unternehmerperson in die Wikipedia zu bringen – oder um bereits bestehende Artikel zu überarbeiten und zu aktualisieren. Er ist ein Schritt-für-Schritt-Guide für alle, die in Wikipedia mitwirken und von „unschönen Erfahrungen“ in Form von Rückgängigmachungen, Löschungen oder Sperrungen verschont bleiben möchten. Wer sich gründlich in das Regelwerk und die vielen ungeschriebenen Gesetze einarbeitet, hat durchaus gute Chancen, seine Ziele – im Rahmen des Zulässigen und Machbaren – zu erreichen.

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Und doch sehen sich Mitwirkende in der Praxis immer wieder mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. In der Artikelserie „Wikipedia-Praxistipps“ zeigen wir daher Lösungswege bei häufig anzutreffenden Problemfällen auf. Die erste Lektion widmete sich Mitte des Jahres Personenartikeln. In dieser Folge-Lektion stehen die Artikel zu Unternehmen im Blickpunkt: Es geht zum einen um die richtige Strategie für Änderungen oder das Neuanlegen von Artikeln – und wie sich Widerstand der Wikipedia-Community vermeiden lässt. Zum anderen gehen wir der Frage nach, ob auch kleinere Unternehmen die Chance auf einen eigenen Artikel haben.

Wikipedia-PR: Mit welcher Strategie fahren Unternehmen am besten?

Viele Unternehmen haben den hohen Stellenwert der Wikipedia als Informationsquelle erkannt. Doch wer sich entschließt, den Eintrag zum eigenen Unternehmen zu verbessern oder den Artikel neu anzulegen, erlebt mitunter „unschöne Überraschungen“. Nicht selten gefährden Unternehmen die Chance auf einen Eintrag, weil sie mit Selbstdarstellungen oder unsauber ausgearbeiteten Artikeln vorpreschen. Sie provozieren damit die sofortige Löschung – schlimmstenfalls behält ein wenig wohlmeinender Administrator den Artikel im Blick. Dann haben es selbst professionelle Dienstleister schwer, helfend einzugreifen. Um dies zu vermeiden, kommt es darauf an, strategisch richtig vorzugehen. Gründliche Einarbeitung steht dabei an oberster Stelle.

Da die Wikipedia etliche Fallstricke bereithält, kommt kein Neueinsteiger umhin, sich mit dem enzyklopädischen Charakter vertraut zu machen. Allein für die deutschsprachige Version gelten etwa hundertfünfzig Richtlinien, die sich teilweise widersprechen. Nur mit einer gründlichen Einarbeitung lässt sich Fehlern vorbeugen, die bei der Community zu dauerhafter Skepsis führen. Noch wichtiger als die offiziellen Regeln sind die inoffiziellen Gepflogenheiten, die sich nur schrittweise erlernen lassen. Tief eintauchen und Vertrauen gewinnen heißt daher die Devise.

Wenn du dich gründlich eingearbeitet hast, ist trotzdem ein vorsichtiges Vortasten zu empfehlen. Nachdem die Wikipedia-Relevanz zweifelsfrei geklärt ist (gegebenenfalls über den Relevanzcheck), gehen Unternehmen am besten so vor, dass sie einen wenige Sätze umfassenden Mini-Beitrag erstellen – auch Stub genannt. Der Grund ist einfach: Die kritische Community ist geneigt, in längeren Texten unerlaubte PR zu vermuten – daher ist die Erfolgschance auf Bestand bei einem Mini-Eintrag wesentlich höher. Erst wenn der rudimentäre Artikel die Hürde genommen hat, sollten sich Unternehmen an die weitere schrittweise Ausgestaltung machen.

Mit etwas Glück weckt der Stub das Interesse anderer Nutzer – so dass der neue Artikel auch ohne nennenswertes eigenes Zutun kontinuierlich ausgebaut wird. Darüber hinaus können Unternehmen viel dafür tun, Vertrauen aufzubauen, indem sie nicht nur am eigenen Artikel mitschreiben, sondern sich auch bei Artikeln einbringen, die ihr Fachgebiet betreffen. Auch Bilder und Videos unter einer Wikipedia-kompatiblen Lizenz können dabei helfen.

Haben kleinere Unternehmen die Chance auf einen eigenen Artikel?

Wikipedia hat Relevanzkriterien für Unternehmen definiert, die internationale Konzerne und viele Mittelständler mühelos erfüllen – sie haben daher häufig bereits einen Artikel in der Online-Enzyklopädie. Doch wie sieht es mit kleinen Unternehmen aus – wann besteht für sie die Chance für einen Eintrag? Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, dieser Frage werden wir in den folgenden kurzen Ausführungen nachgehen.

Die Relevanzkriterien für Unternehmen legen fest, dass es mindestens 1.000 Vollzeitmitarbeiter, einen Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro oder 20 Betriebsstätten geben muss. Doch sind diese quantitativen Anforderungen keineswegs als Ausschlusskriterien misszuverstehen, sondern lediglich als Anhaltspunkte für Relevanz. Daher lohnt es sich auch bei kleinen Unternehmen, genauer hinzuschauen und im Einzelfall zu prüfen, ob sie eventuell bei einer relevanten Produktgruppe oder Dienstleistung eine marktbeherrschende Stellung oder innovative Vorreiterrolle innehaben. Dabei ist es wichtig, die herausragende Position durch unabhängige Quellen zu belegen. Dafür sind vor allem Medienberichte und Fachliteratur entscheidend.

Selbst ohne auch nur eines der Kriterien dezidiert zu erfüllen, kann die Wikipedia-Community ein Unternehmen als relevant akzeptieren, wenn sich ein entsprechender Konsens erzielen lässt. Hierbei kommt es darauf an, andere Wikipedia-Nutzer mit stichhaltigen Argumenten von einer anhaltenden Außenwahrnehmung zu überzeugen. Für einzelne Branchen gelten darüber hinaus ohnehin besondere Kriterien. So sind beispielsweise Fahrzeughersteller allein durch die Produktion und die Vermarktung von Fahrzeugen relevant, für ein Weingut wiederum genügt die Zugehörigkeit zum Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter.

Wer in den Relevanzkriterien keine Anhaltspunkte findet, sollte im Relevanzregister nachschauen. Dort sind Diskussionen zu bestimmten Branchen und Themen archiviert, sodass sich Unternehmen einen unverbindlichen Eindruck von der Stimmungslage der Community machen können.

In Lektion 3 der Artikelserie „Wikipedia-Praxistipps“, die Mitte diesen Jahres erscheint, erfährst du, welche Fehler du bei den Belegen vermeiden solltest, damit Änderungsversuche an Artikeln nicht scheitern – und wie du den eigenen Unternehmensartikel korrekt zitierst.

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Ein Beitrag von Peter Montag

Peter Montag ist Senior PR-Berater und seit 2004 bei Aufgesang. Er hat Politikwissenschaft und Kunstgeschichte studiert. Im Anschluss nahm er an einer PR-Aufbauqualifizierung teil und war freiberuflich sowie als Angestellter für verschiedene Verbände auf Landes- und Bundesebene als PR-Spezialist tätig. Seine fachlichen Schwerpunkte liegen in der Texterstellung und PR-Konzeption. Außerdem betreut er zwei große Projekte bei uns in der Agentur: Presseverteiler.de und Kommunikation in der Wikipedia. Peter reist sehr gerne, insbesondere nach Osteuropa. In seiner Freizeit besucht er zudem gerne Kabarett-Veranstaltungen.



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