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Vom Hilton ins Web: das Ads Camp findet 2020 zum ersten Mal virtuell statt – im Interview mit Jan Stranghöner

23.April 2020 - Aufgesang unterwegs -

Das Ads Camp findet erstmalig als Digitalkonferenz statt. Was das genau für die Gäste und Speaker bedeutet und wie es das Team geschafft hat, die zweitägige Veranstaltung innerhalb von wenigen Wochen zu digitalisieren, erfahrt ihr im Interview mit Jan Stranghöner. Er ist Co-Founder der Social-Media-Beratung Social Marketing Nerds und Veranstalter des Ads Camps.

Ads Camp Jan Stranghöhner

Jessica: Wann habt ihr euch dazu entschlossen, das Ads Camp virtuell stattfinden zu lassen, anstatt es zu verschieben und wie kam es dazu?

Jan: Die finale Entscheidung ist Ende Februar gefallen. Dafür gab es zwei ausschlaggebende Gründe. Zum einen wollten wir keinen Alternativtermin kommunizieren, den wir nicht zu 100 Prozent einhalten können. Seit Mitte letzter Woche wissen wir, dass wir hier auf jeden Fall den richtigen Riecher hatten. Alle verschobenen Konferenzen stehen jetzt erneut vor der Herausforderung, einen weiteren Alternativtermin zu finden oder eine Digitalkonferenz auf die Beine zu stellen – jedenfalls wenn sie bis zum 31. August 2020 stattfinden. Das ist ein enormer kommunikativer und organisatorischer Aufwand.

Zum anderen haben wir zu Beginn der Corona-Krise mit zahlreichen Unternehmen aus der Industrie und dem Handel gesprochen – durch unser Agenturgeschäft haben wir hier Einblicke aus erster Hand bekommen. Wir sind in unseren Gesprächen zu dem Entschluss gekommen, dass wir mit den Themen, die wir im Ads Camp behandeln, nicht weitere sechs Monate oder sogar länger warten können. Denn die Umstrukturierung von Marketing-Prozessen ist für viele Unternehmen genau jetzt relevanter denn je. Die Budgetallokation verschiebt sich zurzeit enorm von offline ins Digitale, weshalb sich Unternehmen jetzt mit den Themen befassen müssen.

Jessica: Wie waren die Reaktionen der Speaker und Gäste? Falls es negative Stimmen gab, welche Kritikpunkte hatten diese?

Jan: Erstmal haben wir für uns das Credo gesetzt, das Ganze als Chance zu verstehen. Dazu gehörte zunächst, den Impuls aufzugreifen, das Ads Camp zu digitalisieren und anschließend das komplette Produkt in seine Einzelteile zu zerlegen. Dies hat zur Folge, dass wir mit dem, was wir jetzt anstreben, komplett neue Welten bereisen, die vorher nicht so konsequent digital waren. Bereits während dieses Prozesses haben wir unsere erstklassigen Speaker an Bord geholt.

Bei den Speakern gab es zunächst viel Erklärungsbedarf zum Produkt der Digitalkonferenz an sich. Nach einigen Gesprächen konnten wir aber eine positive Grundstimmung feststellen. Ganz nach dem Motto „Wenn es eine Branche schafft, eine Digitalkonferenz professionell aufzuziehen, dann muss es unsere sein“. Fairerweise muss ich dazusagen, dass nahezu alle Speaker selbst Publisher sind. Das bedeutet, dass diese die Aufzeichnungsmethoden und die technischen Möglichkeiten kannten, die notwendig sind, um das Ganze in einer hohen Qualität abzuliefern. Das hat uns enormen Rückenwind gegeben. Ich denke, was für sich spricht, ist, dass uns kein Speaker absagte.

Bei den Gästen standen wir vor der Herausforderung, Dinge in Worte zu fassen, die man so noch gar nicht kennt: Was ist eine virtuelle Konferenz? Was bedeutet das für mich als Gast? Worauf muss ich verzichten? Was sind die Vorteile? Das Ganze auf einer Landingpage in drei bis vier Sätzen zu erklären, ist relativ komplex, weshalb wir hier einen hohen kommunikativen Aufwand hatten. Daher haben wir angefangen, mit Bewegtbild zu arbeiten, um das Produkt besser beschreiben zu können.

Was ich zum Thema Reaktionen der Gäste nicht verschweigen möchte, ist, dass auch wir als Veranstalter die wirtschaftlichen Auswirkungen von Corona bemerkt haben. Insbesondere Teilnehmer aus der Reisebranche haben zum aktuellen Zeitpunkt selbstverständlich keine Zeit und kein Budget für Fortbildungen, weshalb wir hier aus Kulanz die Tickets storniert haben.

Jessica: Wie du eben angesprochen hast, ist das Wording „Digitalkonferenz“ noch ziemlich unbekannt. Auf eurer Website werbt ihr damit, dass die Gäste kein einfaches Webinar, sondern eine virtuelle Konferenz erwartet. Was genau unterscheidet das anstehende Ads Camp von einem Webinar?

Jan: Unabhängig vom Rahmen an sich sind die Inhalte beim Ads Camp selbstverständlich nach wie vor exklusiv. Es findet über zwei Tage ein enormer Wissenstransfer statt, der einen hohen Wert besitzt. Technisch gesehen ist der Unterschied zu einem Webinar, dass wir eine produzierte Sendung auf die Beine stellen. Wir haben ein Studio, ein Set-Design, eine komplette Streaming-Technologie, drei Kameras sowie einen Bild- und Tonmischer. Wir produzieren das Ads Camp also wie eine TV-Sendung.

Das ganze Setting macht es dem Nutzer sehr einfach, den Content aufmerksam über mehrere Stunden hinweg zu konsumieren. Bei einem Webinar ist es häufig schwierig, nach einer halben Stunde die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten, was an der Monotonie und Starrheit des Formats liegt. Dieses versuchen wir durch produktionsseitige Impulse, die Studio-Situation und Interaktionselemente aufzulockern. Was unsere Digitalkonferenz zusätzlich von einem Webinar unterscheidet: Die Partizipation geht über die Konferenz hinaus. Ab dem 1. Mai wird es eine geschlossene Facebook-Gruppe geben, in der mehrere Wochen nach dem Ads Camp Fragen gestellt werden können. Während der einzelnen Sessions ist außerdem auch eine 1-zu-1-Kommunikation möglich. Die Aufzeichnungen der einzelnen Vorträge erhalten alle, die ein Ticket haben, natürlich trotzdem.

Jessica: Das klingt auf jeden Fall nach einem großen organisatorischen Aufwand. Hast du aus deiner Erfahrung heraus Tipps, was andere Konferenzen, die jetzt mit der Digitalisierung ihrer Veranstaltung erst starten, auf jeden Fall in dem Prozess beachten sollten? Ist der Planungsaufwand in etwa mit dem einer Offline-Veranstaltung vergleichbar?

Jan: Das Ads Camp findet dieses Jahr bereits zum vierten Mal statt. Dadurch haben wir eine gewisse Routine entwickelt. Durch die Digitalisierung des Events haben sich die Abläufe jedoch grundlegend verändert. Wir haben zum Beispiel ein Studio gemietet, Leute für die Maske engagiert, Einspieler und ein Set Design erstellt. Da wir selbst keine Experten darin sind, haben wir Fernseh-Profis ins Boot geholt, die in diesen Aufgaben Routine haben – zum Beispiel Erfahrung im Screen-Design besitzen und sich mit der Bild- und Ton-Technik auskennen. Wir wollen damit einen neuen Standard etablieren und arbeiten daher neben unseren langjährigen Dienstleistern zusätzlich mit weiteren Experten zusammen. Der Planungsaufwand steigt durch die erhöhte Manpower exponentiell. Ein Tipp, den ich allen geben kann: Versucht, das Lehrgeld nicht selbst zu zahlen.

Jessica: Neben den Herausforderungen, die sich in der Planung einer Digitalkonferenz ergeben, entstehen mitunter für euch bestimmt auch viele Chancen. Ich kann mir gut vorstellen, dass ihr zum Beispiel einige Besucher gewinnen konntet, die unter den normalen Umständen die Fahrt nach Köln nicht auf sich genommen hätten. Falls du das bestätigen kannst: Glaubst du, dass Konferenzen zukünftig vermehrt zusätzlich Digital-Tickets anbieten, um den Interessentenkreis zu vergrößern? Und welche weiteren Chancen ergeben sich aus deiner Sicht?

Jan: Bei all den Chancen, die sich ergeben, dürfen wir nicht vergessen, was den Leuten, die eine Konferenz besuchen, wichtig ist. Und das ist unter anderem auch das Networking, was wir nicht zu 100 Prozent digitalisieren können. Ich stimme absolut zu, dass die Barrieren für Besucher, für die Köln nicht um die Ecke liegt, geringer sind. Davon kann bei uns der zweite, internationale Tag profitieren. Das ist auch der Fall.

Der Parallelbetrieb an sich, also die Auswahl zwischen einem Digital- und Vor-Ort-Ticket, ist natürlich nichts Neues. Lediglich die Art und Weise, wie er produziert wird, schafft unterschiedliche Wertigkeiten – zum Beispiel durch zusätzliche Add-Ons. Bisher war es immer so, dass Streaming-Tickets die günstigsten waren. Teilweise hatte ich den Eindruck, dass die Digital-Tickets in der Vergangenheit ziemlich verramscht wurden. Das kann ich nicht nachvollziehen, da bei Konferenzen der Wissenstransfer das höchste Gut ist, welches Online-Teilnehmer genauso erhalten wie Offline-Teilnehmer. Es wird zukünftig die Aufgabe sein, durch Digital-Tickets keine Zwei-Klassen-Gesellschaft zu begünstigen, sondern fernab vom Streaming weitere Angebote zu schüren, von denen Digital-Ticket-Besitzer profitieren. Ich bin der Meinung, dass durch die positiven Erfahrungen mit Digitalkonferenzen, die Akzeptanz, Videos zu konsumieren, steigt und daher auch die Nachfrage nach Digital-Tickets größer wird.

Jessica: Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wie sich dieses Jahr die Konferenzszene entwickeln wird. Zum Abschluss habe ich eine letzte Frage an dich. Auf eurer Facebook-Seite schreibt ihr wörtlich: „Wir nutzen die Gelegenheit, das Ads Camp auf ein neues Level zu heben“. Was bedeutet das konkret?

Jan: Unser Anspruch ist es seit Anfang an, das Ads Camp jedes Jahr zu verbessern. Diesem Anspruch wollen wir auch unter den besonderen Umständen standhalten. Daher wird es dieses Jahr für alle Ticketbesitzer freie Tool-Zugänge und einen kostenlosen Zugang zu einem Online-Kurs von Andrew Foxwell geben. Sie erhalten zudem die Möglichkeit, das Networking, voraussichtlich im Herbst auf der DMEXCO, nachzuholen. Außerdem haben wir durch das digitale Format das Partizipationslevel enorm erhöht. Die Besucher können bis zu einem Monat nach dem Ads Camp noch mit Speakern in Kontakt treten. Sie haben Zeit, das Gelernte umzusetzen und anschließend Rückfragen zu stellen. Das war bisher noch nicht möglich. Wir wollen den Besuchern nicht das Gefühl geben, dass sie etwas verlieren, sondern – ganz im Gegenteil – sehr viel dazu gewinnen.

Jessica: Vielen Dank für deine Zeit. Ich bin jetzt noch gespannter als vorher, was ihr da auf die Beine gestellt habt. Für alle, die jetzt noch ein Ticket kaufen möchten: Wo haben sie noch die Möglichkeit dazu?

Jan: Danke. Ich freue mich, dass ihr mit Aufgesang dabei seid. Tickets für das Ads Camp gibt es noch auf unserer Website.

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Ein Beitrag von Jessica Wiedekind

Jessica Wiedekind ist Content- & Social-Media-Marketing-Managerin und Teamkoordinatorin bei Aufgesang. Im Jahr 2015 startete sie nach ihrem Studium „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ ein PR-Praktikum bei Aufgesang, um praktische Erfahrungen zu sammeln. Im Anschluss daran begann sie ihr PR-Traineeship. Mittlerweile hat sie ihre fachlichen Schwerpunkte ausgebaut und betreut neben PR-Projekten auch Kunden im Bereich Facebook-Marketing. Zudem engagiert sie sich für das Agenturmarketing und textet gerne. In ihrer Freizeit betätigt Jessica sich gerne sportlich.



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