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Rezension: Lokale Partizipation und Bürgermedien

08.Februar 2017 - Rezensionen -

Nicht zuletzt durch aktuelle politische Geschehnisse, wie die „Pegida“-Bewegung, wird deutlich, wie stark Demokratieverständnis, gesellschaftliches Erkenntnisvermögen und Medienkompetenz – hier ist das Stichwort „Lügenpresse“ zu nennen – miteinander verstrickt sind.

 

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Martin Welker und Andrea Kloß veröffentlichen mit „Lokale Partizipation und Bürgermedien – Laienpublizistik und Öffentlichkeit im ländlichen Raum“ ihre Erkenntnisse des universitären Begleitforschungsprojekts „Die Aufmacher“. Das Pilotprojekt lief innerhalb des Großprogramms „Zusammenhalt durch Teilhabe“, das in ländlichen, strukturschwachen Gebieten Projekte für demokratische Teilhabe und gegen Extremismus fördert. In Zusammenarbeit mit dem buy Bundesministerium für Inneres und diversen Vereinen etablierte die Forschungsgruppe um die Autoren in zwei ostdeutschen Gebieten Bürgerredaktionen. Diese begleiteten sie über zwei Jahre hinweg mit Befragungen sowie Inhaltsanalysen. Angereichert wurde der Band mit theoretischen Grundlagen: „Der vorliegende Band liegt deshalb im Schnittpunkt von sozialer Gemeindeforschung, Kommunikationsraumanalyse, Diskursforschung und kommunikationswissenschaftlicher Nutzungsstudie.“

In insgesamt sieben Kapiteln erhält der Leser auf 247 Seiten Einblicke in die theoretischen Grundlagen und Zusammenhänge, eine Übersicht über die Analysemethoden sowie die Erkenntnisse des Projekts.

Theoretische Grundlagen und Erklärungen werden durch übersichtliche Grafiken und Tabellen ergänzt. Einige Kapitel enden mit Zwischenfazits oder Exkursen und bieten dem Leser so einen strukturierten Überblick.

  • Das erste Kapitel stellt das Forschungsprojekt sowie dessen theoretische Ausgangspunkte vor. Des Weiteren wird der Aufbau des Buches erläutert, was unter anderem Querlesern die Navigation erleichtert.
  • Von der lokalen Öffentlichkeit handelt das zweite Kapitel. Mithilfe begrifflicher und historischer Erläuterungen erklären die Autoren Spezifika des ländlichen Raumes, den Begriff Heimat sowie Publikationsformen in West- und Ostdeutschland. Ein Exkurs zum Thema rechtsextreme Medien im Untersuchungsgebiet schließt das Kapitel ab.
  • Der Fokus  im dritten Kapitel liegt auf der theoretischen Modellierung. Welker und Kloß gehen hier auf theoretische Erkenntnisse von zum Beispiel Habermas (Theorie des kommunikativen Handelns) oder Kim/Ball-Rokeach (Communication Infrastructure Theory) ein. In diesem Kapitel stellen die Autoren unter anderem heraus, welche Rolle Journalisten im Kontext haben: Sie dienen als Bindeglied zwischen institutionellen Diskursen und zivilgesellschaftlicher Alltagskommunikation.
  • Das vierte ist das umfangreichste der neun Kapitel. Hier erläutern die Autoren den räumlichen und strukturellen Rahmen der Untersuchungsgebiete. Sie thematisieren hier die Inhaltsanalyse der lokalen Tagespresse sowie Leitfadeninterviews mit den Anwohnern. So erfährt der Leser beispielsweise, welche Themen für die Bewohner der untersuchenden Landkreise relevant sind.
  • Soziale Struktur und Heimat behandelt der Band im fünften Kapitel. Da der Heimatbegriff essentiell für die lokalen Bürgermedien und die Partizipation der Bürger ist, befragte das Forschungsteam die Bürgerredakteure, was Heimat für sie bedeutet: Allen Antworten ist gemein, dass Heimat einen durchweg positiv konnotierten Begriff darstellt, oftmals als historisch-räumliche Heimat („Ich bin hier geboren“).
  • Im sechsten Kapitel „Die Bürgerzeitung als Katalysator für gesellschaftliches Engagement und Zusammenhalt“ präsentieren Martin Welker und Andrea Kloß die Ergebnisse der Anwohner-Befragungen nach Einführung der lokalen Bürgermedien. Mit anschaulichen Übersichten in Form von Tabellen und Grafiken wurden die Auswertungen aufbereitet.
  • Zum Schluss fassen Autoren die Hauptbefunde des Projekts zusammen. Im siebten Kapitel beantworten sie die Forschungsfragen zu:
    • Lokalem Kommunikationsraum
    • Berichterstattung
    • lokalem Diskurs
    • medialer Partizipation durch die Bürgerzeitung
    • Zusammenspiel von Heimat – medialer Kommunikation – Partizipation
    • Abhängigkeiten

Zu guter Letzt gibt das Kapitel einen Ausblick über die Bedeutung lokaler Medien für das demokratische Zusammenleben.

 

Fazit

„Lokale Partizipation und Bürgermedien – Laienpublizistik und Öffentlichkeit im ländlichen Raum“ von Martin Welker und Andrea Kloß ist ein spannender, ausführlicher Projektbericht mit theoretischen Grundlagen. Der Band zeigt auf, wie sehr Politik und Medien in ländlichen Gebieten miteinander verstrickt sind. Für die PR-Arbeit bedeutet dies, lokal Relevantes, wie zum Beispiel Heimatgefühl und spezifische Kommunikationsräume bei Gesprächen mit Journalisten und Redaktionen zu beachten.

Durch Struktur und Sprache bieten Welker und Kloß auch Laien einen sehr guten Über- und Einblick zum Thema. Die Vorstellung und Auswertung des Projekts ist theoretisch sehr gut unterfüttert. Die an den notwendigen Stellen platzierten Grafiken und Tabellen fügen sich in das gut strukturierte Gesamtbild ein. Als zusätzliches Material können sowohl auf der Website des Verlags als auch über einen QR-Code im Buch Inhalte heruntergeladen werden.

 

Wer sich für die lokalen Besonderheiten bezüglich Medien und Politik interessiert, wird in dem Band eine interessante und gut verständliche Auswertung eines Pilotprojekts finden.

 

Autorin: Julia Schadeck

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Ein Beitrag von Aufgesang-Team



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