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Rezension: Journalistische Recherche im Internet

14.Januar 2009 - Rezensionen -

Eine Bestandsaufnahme journalistischer Arbeitsweisen in Zeitungen, Hörfunk, Fernsehen und Online

Wie gehen Journalisten bei der Recherche während ihrer täglichen Arbeit vor, wie nutzen sie dabei das Internet – und wie haben Online-Rechercheverfahren den journalistischen Alltag verändert? Diesen Fragestellungen gingen Marcel Machill, Markus Beiler und Martin Zenker nach und veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie am 23. Juni 2008. Alle drei sind am Lehrstuhl für Journalistik II der Universität Leipzig tätig. 

Im Rahmen einer Mehrmethodenstudie, die die Einbindung von
Online-Rechercheverfahren in den Gesamtrechercheprozess untersuchen
sollte, wurden im ersten Modul 235 Journalisten aus vier Mediensparten
bei ihrer Arbeit beobachtet. Die Beobachtungsstudie wurde ergänzt durch
eine schriftliche Befragung von 601 Journalisten. Teil drei der Studie
stellte ein computergestütztes Experiment mit 48 teilnehmenden
Journalisten dar.

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Studien-Ergebnisse

Ein Kernergebnis der Untersuchung: Online- und Offline-Recherche findet
in den Redaktionen zu gleichen Teilen statt. Computergestützte
Recherchemittel haben zwar einen größeren Anteil als
nichtcomputergestützte, wenn allein die Häufigkeit der Nutzung
betrachtet wird. Die klassischen Mittel nehmen bei der Recherche
allerdings mehr Zeit in Anspruch. Problematische Erkenntnis dabei: Eine
Absicherung der Rechercheergebnisse, wie sie eigentlich Basis jedes
journalistischen Schreibens sein sollte, findet kaum noch statt.

Das Telefon ist noch immer das wichtigste (Themen-)Recherchemittel im
journalistischen Alltag. Im Tagesverlauf wird Google nicht so häufig
eingesetzt, wie man meinen könnte. Für die Erweiterungsrecherche und
die Ermittlung von Zusatzquellen dominieren jedoch die Suchmaschinen
und üben daher starken Einfluss auf den Rechercheverlauf aus –
insbesondere Google, das von 99,3 Prozent der teilnehmenden
Journalisten genutzt und von 91,7 Prozent sogar als (eher) mit Abstand
beste Suchmaschine im Netz bewertet wird (52 Prozent stimmen „eher“ und
39,7 Prozent „voll und ganz“ zu). Yahoo folgt mit 35,7 Prozent als am
zweithäufigsten genutzte Suchmaschine.

Das Phänomen der „Googleisierung“

Die „Googleisierung“ ist längst Alltag in den Redaktionen; weitere
Suchmaschinen wie Lycos oder Metager werden kaum mehr genutzt. Das
wirft Fragen auf: Werden Themen durch die Gatekeeper-Funktion von
Google womöglich verzerrt wahrgenommen und wird daher ein Thema, über
das Google nichts findet, auch nicht in den Medien aufgegriffen oder
anders herum?

Neben der Bestätigung des Phänomens der „Googleisierung“ zeigt die
Studie der Leipziger Forscher ein weiteres Problem auf. Die
Möglichkeiten des digitalen Recherchierens verstärken den Hang zur
Selbstreferentialität im journalistischen Arbeitsalltag.

Selbstreferentialität im Journalismus

Unter den zehn wichtigsten Internetangeboten zur
Informationsbeschaffung wählten die Journalisten nach Google Spiegel
Online auf Rang zwei. Es folgt Wikipedia auf Platz drei. Auf den
weiteren sieben Plätzen finden sich neben Yahoo (auf Position sieben
mit nur 7,2 Prozent Nennung) sonst ausschließlich redaktionelle Medien.

Primärquellen wie Websites von Ministerien oder Unternehmen tauchen bei
der Auflistung der Top Ten-Websites für die Recherche nicht auf.
Dennoch sind diese für Journalisten sehr wichtig – allerdings nimmt
keine einzelne Seite einen so herausragenden Stellenwert ein wie
Google, Wikipedia oder etwa Spiegel Online oder tagesschau.de.

Diese Erkenntnis bestätigt die zuvor als abstrakte Gefahr definierte
Selbstreferentialität im Journalismus als reale Tatsache. Durch den
Bezug der eignen Berichterstattung auf bereits in anderen Medien
Berichtetes ist die Gefahr besonders groß, dass Ereignisse verzerrt
dargestellt oder nur jene Themen in den Medien aufgegriffen werden, die
zuvor schon andere Journalisten als newsträchtig erachtet haben.

Recherchekompetenz bei Suchmaschinen

Die Studienergebnisse zeigen, dass derjenige, der bei Google vorne
steht, auch bei Journalisten eine höhere Aufmerksamkeit erhält.
Geschickte Suchmaschinenoptimierung kann also im Zweifelsfall auch dazu
beitragen, Einfluss auf die mediale Berichterstattung zu nehmen. Eine
auch für die PR sehr interessante Erkenntnis, die wir als Agentur schon
seit vielen Jahren bei der Arbeit für unsere Kunden durch entsprechende
Maßnahmen umsetzen.

Journalisten ist diese Tatsache bewusst. Sie haben durchaus eine
ambivalente Einstellung zu Suchmaschinen: Nur 1,8 Prozent glauben, dass
Google neutrale Suchergebnisse liefert, wohingegen 72,9 Prozent meinen,
dies treffe überhaupt nicht oder eher nicht zu.

Aber die Ergebnisse der Studie zeigen auch deutlich, dass das Internet
und insbesondere die Nutzung von Suchmaschinen wie Google als schnell
verfügbare Informationsquelle zur pragmatischen Erleichterung der
journalistischen Recherche dient. Der Zeitdruck, unter dem die meisten
Journalisten stehen, macht die Google-Nutzung daher nahezu unumgänglich.

Angewandte Medienkompetenz ist unerlässlich

Das Suchmaschinenexperiment mit drei Teilrechercheaufgaben gab
Aufschluss darüber, dass diejenigen Journalisten den besten
Rechercheerfolg verbuchen können, die durchdacht und strategisch „in
die Tiefe“ suchten“. Zu diesen Probanden gehörten eher diejenigen mit
längerer Berufserfahrung (durchschnittlich 12 Jahre). Insgesamt zeigte
sich auch, dass bei der Suchworteingabe im Durchschnitt 2,9 Suchwörter
verwendet wurden. Diese Taktik wurde vor allem von den eher
erfolgreichen Teilnehmern genutzt.

Fazit

Insgesamt offenbart die Studie die Notwendigkeit steigender
Medienkompetenz und ständiger Weiterbildung von Journalisten. Die
Untersuchung zeigt auch auf, dass Probleme bei der Recherche weniger
aus der steigenden Suchmaschinennutzung herrühren, sondern eine
grundlegende Schwäche in der journalistischen Arbeit besteht.

Die Studienergebnisse bedeuten natürlich auch eine steigende Relevanz
der Online-PR. Dazu gehört beispielsweise auch die Optimierung von
Websitetexten zur besseren Auffindung bei Google. Denn wer als
Unternehmen bei Journalisten Aufmerksamkeit erlangen will, sollte sich
bei seiner eigenen Suchmaschinenoptimierung nicht nur darauf
konzentrieren, bei Mehrwortsuchen ganz oben zu stehen…

Interessierte können das Buch für 23,00 Euro (412 Seiten, 127 Abbildungen) direkt beim Vistas Medienverlag beziehen.

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Ein Beitrag von PR-Beraterin

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