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Rezension: „Des Googles Kern und andere Spinnennetze“

27.Juli 2015 - Rezensionen -

Die Angebote von Google und anderen Größen der „neuen“ Internetökonomie sind häufig Thema in diesem Blog – im Hinblick auf die Nutzbarmachung für PR und Marketing. In dem hier besprochenen Werk geht es einmal nicht um diese verengte Perspektive, sondern um die grundlegevon Arnonde Frage, wie Google & Co. immer mehr unser Leben bestimmen. Arno Rolf und Arno Sagawe widmen sich dieser spannenden Frage in ihrem jüngst vorgelegten Buch „Des Googles Kern und andere Spinnennetze. Die Architektur der digitalen Gesellschaft“. Sie gehen der Frage nach, was jene Internetunternehmen auszeichnet, die mit kaum je dagewesener Schnelligkeit und Radikalität „ihre Netze spinnen“ (in der Interpretation der Autoren), gewachsene Strukturen zerstören und sowohl die Ökonomie und Arbeitswelt als auch die Kultur und das Sozialleben fundamental verändern?

Den beiden Autoren geht es um nicht weniger als darum, „das Wesen und das Wesentliche der digitalen Transformation“ verständlich machen. In den fünf Hauptkapiteln ihres Buches – von den Anfängen der kalifornischer Tüftler über die „neue“ digitale Ökonomie, die „smarte Transformation“ und die Vereinbarkeit derselben mit einer stabilen Gesellschaft, bis hin zur „Orientierung in digitalen Welten“ – leiten sie her, welche Perspektiven sich für unsere Zukunft eröffnen. Und wer die Profiteure und wer die Verlierer der Veränderungen sein werden.

Spinnennetze als ökonomische Metapher

Während es in der „alten“ Ökonomie noch darum gegangen sei, Märkte zu durchdringen und sich dabei einem Wettbewerb zu stellen, würden in der „neuen“ Internetökonomie gänzlich andere Gesetze gelten: „In einer von Spinnennetzen geprägten Ökonomie schaffen Internetkonzerne durch digitale Innovationen neue Märkte in der Absicht, diese allein und ausschließlich zu beherrschen.“ Gleichzeitig gehe es um Beutemachen in der „alten“ Ökonomie. In Spinnennetzen gelinge es den Monopolen zumeist erfolgreich, Wettbewerb auszuschließen.

Dominierend sei eine Spinnen-Strategie der Einverleibung, des Beutemachens und der Zerstörung: „Die passende Metapher für Googles Aktivitäten [und die anderer Internetkonzerne] ist das Weben von Spinnennetzen mit Beutefang in der ‚alten‘ wie in der digitalen Ökonomie.“ Einige Akteure seien inzwischen zu nie zuvor gekannter Machtfülle gelangt: „Google nicht mehr umgehen zu können, ist der empirische Beleg für das Vorhandensein eines Spinnennetzes, in das wir uns mehr und mehr verfangen – weil wir merken, dass es keinen Ausweg mehr gibt.“

Mit dieser Entwicklung einher gehe ein anderes herausstechendes Merkmal: die Herausbildung einer informationstechnischen Macht, die sich anschickt, die globale Ökonomie zu okkupieren. Gemeint ist der Anspruch der großen Internetkonzerne, unsere Daten sammeln und nutzen zu dürfen, ohne uns zu beteiligen und die Art der Nutzung offenzulegen, wieder verifiziert am Beispiel Google: „Google ist eine Suchmaschine innerhalb unserer Lebenswelt! Google durchsucht nicht mehr nur das Internet. Google durchsucht unsere Lebensgewohnheiten […].“

Wachsende Kluft zwischen Profiteuren und Habenichtsen

Der Siegeszug der Internetökonomie habe gewaltige gesellschaftliche Auswirkungen, die von der Aushebelung sozialer Errungenschaften bis zum Verschwinden ganzer Branchen und Berufe reichten. An die digitale Transformation knüpfe sich daher unweigerlich die Verteilungsfrage hinsichtlich Beschäftigung, Einkommen und Vermögen: „Ohne dass der Rechtsstatt […] Grenzen setzt, werden die Chancen der eher Schwachen zugunsten einiger weniger ‚Schnelldenker‘ neu verteilt, die durch Finanzierung von Investmentbanken, Google und Amazon neue Spinnennetze weben.“

Es gehe um angemessene politisch-gesellschaftliche Reaktionen und Optionen, aber auch um die Herausforderungen, denen sich traditionelle Unternehmen der „alten“ Ökonomie stellen müssen, um in dem neuen Umfeld zu überleben und zu bestehen: „Als erstes muss an der Digitalisierung der Prozesse im Unternehmen wie an denen zwischen assoziierten Unternehmen bis hin zum Kunden gearbeitet werden. Medienbrüche, z. B. indem noch Teile der Geschäftsprozesse über Papier abgewickelt werden, müssen aufgelöst werden.“

Bewertung: „Des Googles Kern“ von Arno Rolf und Arno Sagawe ist mit seinem interpretatorischen Ansatz ein überaus interessantes Werk, das fundiert und eingängig geschrieben ist. Es beleuchtet die digitale Transformation, in der sich unsere Gesellschaft befindet, aus unterschiedlichen Blickwickeln und zeigt dabei Gefahren auf, die bisher noch kaum im Fokus der Betrachtung stehen. Lesenswert ist das Buch gerade deshalb, weil es nicht etwa einfache Antworten bereithält, sondern verschiedene Perspektiven für unsere Gesellschaft aufzeigt (Zukunftspfade und Sackgassen). Es ist eines jener spannungsgeladenen Bücher, die man gern mit einem Mal „verschlingt“.

Doch leider ist da ein Wermutstropfen, der die Freude – wenn auch nur wenig – trübt: Es gibt eine Vielzahl an Rechtschreib- und Flüchtigkeitsfehlern, Sprünge in der verwendeten Schriftgröße und unvollständige Sätze, die abrupt enden, weil Satzteile fehlen. Sicherlich hätte es sowohl dem Buch als auch dem Lesegenuss gutgetan, hätte man hier etwas mehr Sorgfalt walten lassen.

Zu den Autoren: Dr. Arno Rolf ist Professor für Informatiksysteme (Universität Hamburg). Arno Sagawe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter ebendort (Fachbereich Informatik) sowie im Studiengang Wirtschaftsinformatik der Leuphana Universität Lüneburg.

Bibliografische Angaben: Arno Rolf, Arno Sagawe: Des Googles Kern und andere Spinnennetze. Die Architektur der digitalen Gesellschaft. Erschienen bei der UVK Verlagsgesellschaft, 2015, 277 Seiten. ISBN: 978-3-86764-590-4 (Print), 978-3-86494-462-6 (E-PUB), 978-3-86496-561-6 (E-PDF). Die Printausgabe kostet 19,99 Euro.

Verlosung: Auf unserer Facebook-Seite verlosen wir ein Exemplar dieses Buches. Zur Teilnahme genügt ein kurzer Kommentar unter dem Posting. Viel Erfolg!

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Ein Beitrag von Peter Montag

Peter Montag ist Senior PR-Berater und seit 2004 bei Aufgesang. Er hat Politikwissenschaft und Kunstgeschichte studiert. Im Anschluss nahm er an einer PR-Aufbauqualifizierung teil und war freiberuflich sowie als Angestellter für verschiedene Verbände auf Landes- und Bundesebene als PR-Spezialist tätig. Seine fachlichen Schwerpunkte liegen in der Texterstellung und PR-Konzeption. Außerdem betreut er zwei große Projekte bei uns in der Agentur: Presseverteiler.de und Kommunikation in der Wikipedia. Peter reist sehr gerne, insbesondere nach Osteuropa. In seiner Freizeit besucht er zudem gerne Kabarett-Veranstaltungen.



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