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Recap: „Gründen heute“ – Das Startup-Event in Hannover

22.Juni 2015 - Aufgesang unterwegs -

Einblicke in die aufstrebende Welt der Startups gab am 13. Juni hannoverimpuls mit der Veranstaltung „Gründen heute“ im Kulturzentrum Pavillon in Hannover. Das Event bot Gründern – und jenen, die es werden wollen – Erfahrungsberichte, interessante Impulse und neue Eindrücke rund um die moderne Gründungskultur. Eine große Rolle nahm die für PRler besonders interessante Kommunikationsarbeit ein. Wir waren vor Ort und haben die interessantesten Erkenntnisse aus der Veranstaltung zusammengefasst.

Die Rahmenbedingungen zum Gründen haben sich in den letzten zehn Jahren enorm verändert. Auf  die daraus resultierenden Chancen und Herausforderungen ging Sascha Schubert vom Bundesverband Deutsche Startups e.V. ein. Kern-Herausforderungen für Unternehmensgründer seien heute vor allem rechtliche Rahmenbedinungen, institutionalisierte Förderungen und die deutsche Bürokratie, erklärte Schubert. „Auch heimische Finanzierungsquellen sind schlichtweg ungenügend“, kritisiert der stellvertretende Verbandsvorsitzende in seiner Keynote. Gleichzeitig lobt er die stetig wachsende Startup-Community. Er rät jungen Gründern, früh mit anderen über Ihre Idee zu sprechen, Probleme stetig zu analysieren und disruptive Ideen zu entwickeln.

„Lover sind besser als Kontakte“

Max Schild und Yannick Pieper berichteten von ihrem Startup „tytle“, dessen Dienst es erlaubt, Messenger-Kommunikation als Untertitel auf dem Smart-TV anzuzeigen. Die ehemaligen Medienmanagement-Studenten konnten bereits in ihrer frühen Gründungsphase viel lernen und teilten fünf destillierte „Regeln“ aus ihrem Erfahrungsschatz mit den gespannten Zuhörern:

1)      Nutze deine Freunde: Ehrliches Feedback von Freunden bringt mehr als breit angelegte Crowd-Tests.

2)      Die beste Conversion hat das Gespräch: Im Vergleich zu Newslettern haben wenige unmittelbare Kontakte größeres Potenzial, die eigene Idee über Fürsprecher weiterzutragen.

3)      Zapf‘ andere Dienste an: Auf Bestehendes zurückzugreifen macht mehr Sinn, als alles selbst machen zu wollen.

4)      Lover sind besser als Kontakte: Lieber auf Leute bauen, die von der Idee wirklich begeistert sind, als einen Pool von tausenden Kontakten rudimentär zu „pflegen“.

5)      Sei auf alles vorbereitet: So viele Eventualitäten wie möglich bedenken, um flexibel darauf reagieren können.

Eigene Schwächen erkennen und mit Partnern ausgleichen

Andy Lenz von t3n berichtete im Rahmen eines Interviews mit Moderator Tim Christopher Gasse von seinem Startup-Erfolg. Auch er als Mitgründer des inzwischen zehn Jahre alten Magazins für Digitales Business ließ Gründungsinteressierte an seinem Erfahrungsschatz teilhaben: „Erkennt eure eigenen Schwächen und gleicht sie mit Personal oder Partnern aus“, rät der Experte. Faktoren für den Erfolg von t3n seien das stabile Gründerteam und die unterschiedlichen, sich gegenseitig ergänzenden Kompetenzen, wie Lenz berichtet.

Online gilt es, Menschen involviert zu halten

Nach dem Mittagessen ging es weiter mit Nils Seger, Mitgründer der Kommunikationsagentur RCKT Communications, die aus dem Startup-Inkubator Rocket Internet hervorging. Direkt aus dem Hotspot Berlin berichtete er über die aktuellen Trends der Szene: Von Fintech, also Technologien im Bereich der Finanzdienstleistungen, über Household Services wie Putzhilfen oder Bestellservices bis hin zu Realtime Technologien und neuen Medien. Besonders hier gebe es derzeit großes Potenzial.

Die Angst vorm Scheitern versucht der Junggründer dem Publikum zu nehmen: „Startup bedeutet Fehlerkultur. Es muss nicht alles von Anfang an perfekt sein“, gibt Seger mit auf den Weg. Kommunikationsarbeit für Unternehmen bestehe in Zeiten der Digitalisierung vor allem darin, Menschen im Netz involviert zu halten. Um online auf sich aufmerksam zu machen bleibe nur, wirklich guten Content zu liefern, der interessant und relevant ist. „Digitalisierung ist mehr als eine Website; es ist ein kultureller Gedanke“, konstatiert Seger.

Trendthema Bloggen – Freizeitbeschäftigung oder Businessmodell?

Weiter ging es mit parallelen Sessions. Für uns als PRler am interessantesten: „Bloggen als Geschäftsmodell und Kommunikationsmedium“ mit Lifestyle-Bloggerinnen Julia-Maria Blesin von nicetohavemag und Sandra Czok von Majoli Blog. Zentrales Thema war der Spagat zwischen Authentizität und Wirtschaftlichkeit. Leser erwarten immer neue, hochwertige und journalistisch-unabhängige Inhalte, wollen aber nichts dafür bezahlen. Außerdem sähen sie es gar nicht gerne, wenn sie es bei einem Beitrag mit „Sponsored Content“ zu tun haben.

Nur rund drei Prozent aller Blogger schaffen es heute, von ihrer Arbeit zu leben. Und die hat es in sich: Wie Sandra Czok berichtet, vereint das Bloggerdasein „mindestens acht Jobs in einem“. Blogger sind Fotograf, Grafiker, Informatiker und Redakteur, aber auch Model, Stylist und Öffentlichkeitsarbeiter. Kurz gesagt: Ein Blog bedeutet eine Menge Arbeit. Aufwendige Beiträge sollten mindestens dreimal pro Woche kommen, um die Leser bei Laune zu halten. Zudem ist ein Blogger nahezu 24/7 online und bespielt nebenbei alle möglichen anderen Social-Media-Kanäle.

Doch das Geschäftsmodell hat auch positive Seiten: Was als Hobby startet, kann sich mit viel Leidenschaft zum Business entwickeln. Es ist ein offenes Berufsfeld und besonders Digital Natives finden sich in der Blogsphäre intuitiv zurecht. Doch wie rentabel ist das Bloggen? „Bei der Frage ‚PR versus Marketing‘ haben Unternehmen den Blogger in seiner Schnittstellenfunktion immer häufiger auf dem Schirm“, weiß Julia-Maria Blesin. Budgets seien in Aussicht, jedoch sei es schwer, sich mit einem Blog zu etablieren und etwas vom „saftigen Stück Kuchen“ abzubekommen.

Gerade bei Startups sind die Founder die Marke

„Ihr seid die Blogger für euer Startup“, stellte Steven A. Zielke der Nebelhorn Medien GmbH mit Fingerzeig auf das Gründerpublikum fest. „Ihr müsst alle Jobs eines Bloggers beherrschen, um euch und euer Startup als Marke zu positionieren.“ Nach diesem anschaulichen Vergleich ging Zielke näher auf das Bloggen für Unternehmen beziehungsweise Startups ein. Derzeit gebe es rund 152 Millionen Blogs im Internet. Um bei diesem Überangebot nicht unterzugehen, gehe es heute nicht mehr um Reichweite, sondern vor allem um Relevanz. „Das Thema SEO wie es früher war, ist vorbei. Es geht rein über Content und was er für die Leser bedeutet.“ Dabei seien Heavy-User wesentlich bedeutender als lose Kontakte. „Wirklich treue Nutzer gibt es kaum noch“, weiß der Medienexperte.

Für das Corporate Blogging empfiehlt Zielke den Einsatz unterschiedlicher Tools, die vor allem eines bewirken sollen: Zeit sparen. „Bleibt fokussiert auf euer Produkt und vergeudet keine Zeit mit dem tracken von Social Media.“ Auch rät er jungen Gründern: „Ihr habt zwei Ohren und einen Mund. Hört zu und optimiert euer Business daraufhin.“ Bei all dem Blogging sollte man eins nicht vergessen: Am Ende des Tages soll das Unternehmen Umsatz machen, wohingegen die Anzahl von Page Impressions oder das Ranking bei Google zwar hilfreich, aber nicht alles sein können.

Geschäftsmodelle als der Turmbau zu Babel

Neuen Business Model Trends aus den Bereichen Healthcare und Shareconomy ging es in einer weiteren Session mit Kamil Barbarski (Mak3it GmbH) und Thorsten Damus (hannoverimpuls GmbH) auf den Grund. Sie verglichen ein Geschäftsmodell mit dem Turmbau zu Babel: Es ist nicht, wie oft vermutet, ein reines Erlösmodell. In erster Linie ermöglicht es, dass alle unterschiedlichen Abteilungen und damit Sprachen im Unternehmen synchronisiert werden. Es gibt die Richtung vor und garantiert, dass die gleichen Vorstellungen der Arbeit haben.

Das Produkt selbst ist nach Barbarski nicht nur die Lösung für ein Problem des Kunden. „Vielmehr ist es das gesamte Geschäftsmodell, was das Produkt ausmacht“, stellt Barbarski klar. Umso wichtiger ist es, dass man allen unternehmerischen Bereichen die gleiche Bedeutung beimisst.

Wie kommt man auf innovative Ideen?

Der letzte Impuls an diesem Tag kam von Jan K. Arndt von Trend Innovation. In seinen „Grundlagen des disruptiven Innovationsmanagements” stellte er die Frage: „Wollen wir die Zukunft gestalten oder ertragen?“. Die Digitalisierung und Schnelllebigkeit führe für Unternehmen zu steigendem Innovationsdruck. Um erfolgreich zu werden und auch zu bleiben, gilt es, fortlaufend neue Ideen zu entwickeln: Hierfür sollen Unternehmer neue Wege gehen, etablierte Regeln kategorisch hinterfragen und – wenn möglich – brechen. Viele Konventionen ließen sich bei näherem Hinsehen neu definieren. Genau darin liege der Schlüssel zu zukunftsorientierter Innovation.

Fazit

„Gründen heute“ gab vielfältige und interessante Impulse rund um das Thema Startups, Innovation, Digitalisierung und Kommunikation. Neben Erfahrungsberichten, Tipps und dem Vorstellen aktueller Trends der Gründerszene machte das Event vor allem eins: Lust aufs Gründen und auf die Arbeit in Startups.

Autor: Jan Reinholz

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Ein Beitrag von Aufgesang-Team



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